Mongolei Reise – 27. Juli

Früh am morgen stehen wir auf. Mir geht es wieder besser. Leichte Kopfschmerzen begleiten mich beim Frühstück. Kaum merke ich wie sie langsam verfliegen. Das bepacken der Maschinen dauert sehr lang. Wir trödeln, schrauben noch an den Motorrädern, laufen 6 mal hin und her, weil wir noch etwas vergessen haben und ich bin über 15 Minuten damit beschäftigt uns eine Helmkamera zu basteln.
Ich teste diese ausgiebig im Hinterhof und bin gespannt was für Bilder sie wohl machen wird. Über die letzten Tage habe ich schon einige mal versucht während der Fahrt zu filmen. Dies klappt eigentlich auch recht gut. Das große Problem jedoch ist, dass spontane Aufnahmen unmöglich sind. Immer braucht man ein bis zwei Minuten, bis man sie aus dem Rucksack gekramt hat.
Es geht los. Nach eine Stunde erreichen wir das kleine Dorf, in dem wir vor zwei Tagen kehrt gemacht haben. Wir fahren ohne mit der Wimper zu zucken vorbei. Endlich geht es weiter!
Die Straße wird nun richtig ruppig. Bodenwellen in einer Formation die einen glauben lassen, man würde auf einem nie mehr enden wollenden riesigen Waschbrett, bis an das Ende der Welt fahren. Immer mehr Teile klappern an meiner Maschine. Ich kann beobachten wie sich die Mutter, die meinen Drehzahlmesser hält, bei jedem Schlag einer halbe Umdrehung mehr in Richtung Freiheit erzielt.
Nervös betaste ich meine Abdeckplane vom Rucksack. Es ist heute extrem windig. Ständig muss ich sie wieder richtig ziehen. Leider vernachlässige ich diese Überprüfung. Gegen Mittag ist von meiner Plane, sowie Joshs Hut und meinem kurzem Trekkinghemd nichts mehr zu sehen. Er fährt zurück, während ich warte und ein par Muttern nachziehe. Kopfschüttelnd kommt er zurück. Spurlos verschwunden.
Wir haben Orientierungsprobleme. Das GPS hat schon lange den Dienst quittiert. Am Rande steht einer alter Mongole mit seiner Frau. Wir halten und erkundigen uns nach der ungefähren Richtung. Alles okay. Wir sind auf dem richtigen Weg. Für die Gefälligkeit helfen wir den beiden mit unserem Werkzeug aus. Siehe da sie können weiterfahren und deuten sogar an, dass sie das selbe Tagesziel haben. Perfekt jetzt brauchen wir uns erstmal keine sorgen mehr um den Weg zu machen.
Die beiden machen ein ordentliches Tempo. Josh klebt ihnen an den Fersen, während ich versuche ein gutes Zwischentempo zu erreichen, um mein Gefährt nicht zu sehr zu quälen. Ich sehe es immer wieder in meinen Gedanken. Mein Motorrad bricht am Rahmen und wir müssen dann gucken, wie wir unser Gepäck noch schleppen können. Als wäre das noch nicht genug, können wir auf einmal nicht mehr weiter. Ein Fluss versperrt uns die weiterfahrt. Hier nun aus europäischer Sicht aufgepasst. Meistens sind diese Flüsse weder tief noch sonderlich breit. Sie verlaufen in mehreren,sich immer wieder kreuzenden Bächen. Überquert man einen solchen, so hat man meist noch drei oder vier Überquerungen vor sich. Hat man Pech findet man sich auf einer Insel wieder, wo ein Umkehren der einzig richtige Weg ist. Nach dem zweiten Anlauf gelingt es uns mit 3 Überquerungen auf das andere Ufer. Mir wurde es dabei recht mulmig. Was würde passieren, wenn unsere schweren Maschinen mitten im Flussbett stecken bleiben? Nun ja ich bin glücklich zu verkünden, dass ich es bis heute nicht weiß.
Die restliche Fahrt wird zunehmend anstrengend. Unsere schnellen Begleiter sind im Durchschnitt viel langsamer als wir ohne sie. Ständig müssen wir anhalten und die Maschine wieder in Stand setzen. Sie verlieren viel Luft. Der Hinterreifen macht nicht mehr viel Kilometer. Sie wollen uns einen Ersatzschlauch abkaufen. Wir verneinen jedoch. Wir sind noch zu grün hinter der Ohren, um einschätzen zu können, ob wir sie vllt. selber noch brauchen werden.
An einer Tankstelle die kein Treibstoff mehr in den Tanks hat, verabschieden wir sie. Sie kennen die Besitzer. Nun haben wir kein schlechtes Gewissen mehr. Hier werden sie gut versorgt.
Es fängt an zu dämmern. Unser bislang längster Tag auf den Motorrädern. Noch öfters fragen wir nach der Richtung. Erstaunlicherweise sind wir nach wie vor auf dem richtigen Weg.
Inzwischen weiß ich nicht mehr zu sagen wie spät es ist. Zeitlos fahren wir dem Horizont entgegen, wärend die Sonne die Gipfel der großen Berge streichelt. Erleichtert zeigt sich die Haut. Frischer Fahrtwind ersetzt die heißen Strahlen. Ein kleines Dörfchen tut sich vor uns auf. Es passt nicht in die Landschaft. Wie eine Filmkulisse aus einem schlechten Film. Direkt neben dem ersten Haus steht eine kleine Tankstelle. Wir fahren hin. Sie sieht aus, als wäre sie schon lange nicht mehr benutzt worden. Zunächst kommt niemand. Josh will ein par Fotos machen. Plötzlich springt ein junger Mongole mitten in das Bild. Er spricht gebrochenes Englisch und fordert uns auf mit in sein Haus zu kommen. Dies lassen wir uns nicht zweimal sagen. Der Gedanke an eine warme Mahlzeit tut der Seele gut. Die Tankstelle funktioniert sowieso nicht. Ein Kind hat einen Stock gegen einen der nicht gerade soliden Strommasten geworfen.
Wir werden sehr herzlich empfangen. Vater und die älteste Tochter bereiten eine Mahlzeit für uns vor wärend die beiden kleinsten mit meiner Kamera spielen. Wir haben unglaubliches Glück. Der Junge nimmt tatsächlich die Kamera mit in die Privaträume und filmt für uns die ganze Zeit. Sicherlich selten. Neugierig schauen wir uns die Aufnahmen später im Zelt an. Wir haben etwas abseits vom Dorf unser Zelt aufgeschlaugen. Wir erhalten einen tollen Einblick und können uns nun gut vorstellen, wie das leben auf dem Dorf wohl ist.
Das Essen hat uns gut getan. Ich weiß das ich es in Deutschland nichteinmal angerührt hätte. Immer wieder feste Fettklümpchen und der wiederliche Gestank eines vergammelten Schafes. Dennoch Abwechslung ist hier alles. Wenn alles nach Plan abläuft erreichen wir unser erstes Ziel bereits morgen…

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